Erzählungen

Inhaltsverzeichnis

Die Schöpfungsgeschichte als Gedicht

Am 1. Tag war dunkle Nacht

bevor Gott diese Welt gemacht.

Doch dann sprach er „Es werde

Und Licht kam auf die Erde.

Am 2. Tag mit großer Macht

hat Gott das Firmament erdacht.

Er sprach „Es werde“:

Der Himmel spannt sich um die Erde.

Am 3. Tag teilt Gottes Hand

das Wasser ab vom trocknen Land.

Gott sprach „Es werde“,

nun gab es Meer und Land und Pflanzen auf der Erde.

Am 4. Tag schenkt Gott die Zeit

im Sonne- Mond- und Sternenkleid.

Er sprach „Es werde

und so kam Tag und Nacht auf uns’re Erde.

Am 5. Tag schafft Gott lebendiges Gewimmel

im Wasser und am Himmel.

Er sprach „Es werde“,

nun gibt es Fisch‘ und Vögel auf der Erde.

Am 6. Tag will Gott das bunte Leben

für Feld und Wald der schönen Erde geben.

Er sprach „Es werde„:

Die Tiere und die Menschen sind jetzt auf der Erde.

Am 7.  Tag vom Werk Gott ruht.

Er sieht es an und nennt es gut.

Er kann zur Ruh die Hände legen:

Der Tag ist heilig und bringt Segen!“

Dieses Gedicht habe ich im Jahre 2011 für meine Grundschüler zusammengestellt. Sie konnten es wie ein Fingerspiel benutzen.

Die Bilder dazu sind neu. Ich habe kleine Zeichnungen, inspiriert von „Zentangle“-Malerei angefertigt. Diese Bildchen habe ich fotografiert und leicht bearbeitet.

Die Biblische Geschichte Gen.1,1 bis 2,4a passt auch gut zur Osterzeit. Am 7. Tage ruhte Gott, das ist der jüdische Sabbat. Am 1. Tag der Woche ist Jesus von den Toten auferstanden, das ist der Sonntag. Die Christen wählten diesen Tag als Fest- und Ruhetag. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest.

Maria Kott, im März 2021

Die Geschichte von Michel dem Schaf

Maria Kott im April 2020


Der blaue Fisch

Zur Landesgartenschau 2018 in Lahr

Zum wiederholten Male bummle ich mit meinem Fotoapparat über die Landesgartenschau. Immer wieder entdecke ich etwas Neues. Da gibt es einen blauen Fisch in der Luft – ein fliegender Fisch. Er ist so schön, ich muss ihn im Bild festhalten. Hinter ihm fliegen noch einige kleinere, er ist aber der Schönste. Ein Täfelchen sagt er sei ein “Wegweiser”.

Bei meinem nächsten Besuch auf der Landesgartenschau besuche ich diesen “Wegweiser-Fisch” erneut. Doch siehe da, jetzt fliegt er nicht mehr frei in der Luft. Nein, er hat Beine bekommen.

Er läuft auf vier Beinen! Aber wohin will er denn gehen. Der Kopf zeigt nach links und die Beine gehen nach rechts. Wohin soll das bloß führen.

Nach einer stürmischen Nacht gehe ich erneut zur Gartenschau. Natürlich möchte ich sofort sehen was aus dem schönen blauen Fisch geworden ist. Wohin er wohl gegangen ist? Ich suche ihn, aber er ist nirgends mehr zu finden. Auch das “Wegweisertäfelchen” ist nicht mehr da. Was ist da nur passiert. Gab es für ihn eine Zerreißprobe? Die Füße wollten ja nicht in die gleiche Richtung wie der Kopf.

Doch dann SAGE ich mir: Der Fisch ist in sein Element, das Wasser, zurückgekehrt. Er ruht jetzt auf dem Grunde des Sees. Nur in klaren Vollmondnächten kommt er um Mitternacht leise an die Wasseroberfläche. Dort badet er im Mondlicht. Wenn die Kirchturmglocke Eins schlägt zieht er sich wieder auf den Grund des Sees zurück.  Bei gutem Wetter kann man den See blau leuchten sehen. Das kommt vom blauen Fisch.


Maria Kott – Mai 2018

Der Nähkasten (das Nähkastle)

In unserem Ferienhaus in Ungarn steht der alte Nähkasten meiner Mutter. Genauer gesagt er ist kein einfaches Kästchen, er ist ein richtiges Möbelstück – fast sogar eine kleine Schneiderwerkstatt.

„Maria, bring mir doch mal das Nähkastle“ – das höre ich heute noch. Wenn meine Mutter etwas nähen wollte – kleine Reparaturen – oder wenn sie etwas suchte. Was war da nicht alles zu finden. Knöpfe, Nadeln, Faden, Schere, Gummi, Sicherheitsnadeln und noch viele andere nützliche Nähutensilien – auch Strick- und Häkelnadeln und Wollreste. Häufig waren die Fäden verwirrt und ich half dann meiner Mutter sie wieder auseinander zu nesteln. Eine zeitraubende Arbeit aber auch eine Gelegenheit ein wenig zu plaudern, zu erzählen oder auch zu singen. Als ich noch sehr klein war erzählte meine Mutter oft die Geschichte „Von den lieben Englein droben“. Eine Geschichte in Versform aus ihrem Kinderbilderbuch die sie auswendig konnte. Das Buch gab es ja schon lange nicht mehr. Später, als das Kästchen in meinen Besitz übergegangen war erzählte meine Mutter die Geschichte meinen Kindern – auch oft bei Näharbeiten. Die Kinder lauschten ebenso gerne auf die schönen kindlichen Verse. Auch da gab es häufig verwirrte Fäden. Beim Entwirren halfen jetzt die Enkel ihrer Oma.

Das Kästchen durfte ich also mitnehmen in meine Familienwohnung. Meine Mutter wohnte zusammen mit meinem ältesten Bruder in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung. Nach dem Umzug in eine ebenso kleine Wohnung die aber neue, modernere Möbel hatte, passte das Kästchen nicht mehr so recht hinein. Die Nähutensilien wurden in einer anderen Schachtel verstaut die man leicht in einem Schrank unterbringen konnte. Meine Wohnung war damals recht groß und in der Küche gab es einen Platz für dieses Möbelstück.

Das „Möbelstück“ war ein brauner Holskasten mit Griff zum transportieren. Die Füße bestanden aus  kleinen Holzklötzchen. Unten gab es ein großes Fach, darüber rechts und links jeweils zwei Fächer, die man ausziehen konnte – ähnlich wie Werkzeugkästen. So war alles recht übersichlich und auch gut zu finden – natürlich nur wenn in diesem Kasten immer wieder alles an den Platz zurückgelegt wurde. Von  Zeit zu Zeit wurde dann auch mal aufgeräumt und alles neu geordnet. Nach vollendetem Werk hatte man ein erhebendes Gefühl.

Jahre später wurde auch meine Wohnung umgestaltet. Es gab andere Möglichkeiten die Nähutensilien unterzubringen und das Kästchen fand seinen Platz im Ferienhaus wo es bis heute noch gute Dienste leistet. Ganz problemlos kann die „Nähwerkstatt“ auch in den Garten verlegt werden. Die Urenkel  besitzen seit einiger Zeit das alte Bilderbuch „Von den lieben Englein droben“. Mein jüngster Bruder konnte in mühsamer Forschungsarbeit dieses Buch finden und eine Kopie erstellen lassen.

Die Geschichte kann also weitergehen!

Das Foto zeit meine Mutter, Tante Anna und meine Zöpfe, links oben ist der Nähkasten zu sehen

Geschrieben für meine Kinder und Enkel zur Erinnerung an meine Mutter, unsere Oma und  auch Uroma. 

Im August 2014